Gliederung der Jagdhunde

Jagdhunderassen werden in Deutschland durch den Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) betreut , in Österreich durch den Österreichischen Jagdgebrauchshundeverband (ÖJGV) und über die jeweiligen Dachverbände VDH ( Verband für das Deutsche Hundewesen) und ÖKV (Österreichischer Dachverband der Hundevereine), die in der FCI (Weltorganisation der Kynologie) organisiert sind. Der Deutsche Teckel Club (DTK) ist der älteste Gründerverein, des 1906 gegründeten Vorläufers des heutigen VDH.

Jagdgesellschaft Biedermann

Jagdgesellschaft mit Hunden Biedermann, Wikipedia

Schon von je her machte sich der moderne Mensch die Arbeitsleistung der Hunde zu Nutzen. Und so entstanden je nach Zweckmäßigkeit unterschiedliche Rassen. Werfen wir einen Blick in die Nomenklatur der Rassen des FCI, werden wir feststellen, dass die Jagdhunde vier Gruppen für sich alleine beanspruchen, wovon eine allein durch den Dachshund (Dackel) beansprucht wird. In vier anderen Gruppen finden wir weitere Jagdhunde beziehungsweise Rassen, die ursprünglich zur Jagd Verwendung fanden.

Wenn wir uns die heute üblichen Jagdhunde anschauen, wird uns auffallen, dass wohl die meisten von ihnen über einen großen und kräftigen Fang verfügen. Und es kommt nicht von ungefähr, dass einige Rassen für ihre besonders gute Nasenleistung bekannt sind.

 Ein langer Gesichtsschädel bietet Platz für eine große Riechschleimhaut (Hesspler).

Die Behänge sind zumeist groß und hängend, sowie teilweise eng anliegend, was vermutlich nicht nur einen besseren Schutz der Gehörgänge gewährleistet, sondern auch die Sinnesleistung der Nase verstärken soll.

Die Größe variiert vom kleinen Dachshund bis zum hochläufigen Vorstehhund. Die Beschaffenheit des Fells unterscheidet sich je nach Einsatzweck und den Anforderungen des Ursprungslandes. Und selbst das Haarkleid des einstigen Jagdhundes und uns allen bekannten Pudels ist keine modische Erscheinung, sondern praktischen Ursprungs. Leider leben die Erinnerungen dieses Jagdhundes nur noch im Pudelpointer weiter.

Viele – aber nicht alle – Jagdhunde, eignen sich auch gut als Familien- und Begleithunde. Aber auch zu Recht gibt es ebenso Vertreter unter ihnen, die nur in Hände von Hundeführern gehören, welche der Rassebesonderheiten vollauf gerecht werden können.

Wie bereits angedeutet, unterscheiden sich die Hunde je nach Einsatzweck. Wodurch sich eine Gliederung ergibt, die ich nachfolgend einmal erläutern möchte.

Begriffserläuterung: Trotz großer Bemühungen diesen Artikel für Jedermann/frau verständlich zu schreiben, schleichen sich hier und da Begriffe ein, die ich kurz aufzeigen möchte.

Fang = Schnauze; Behang = Ohren; Schweiß = Blut und daraus die sich ergebende Schweißarbeit; Niederwild = kleines Wild, Haar und Federwild (bis auf Ausnahmen) einschließlich Rehwild; Schalenwild (= Wildschwein) alles Wild mit Schalen (= Hufe) wie Reh, Schwarz, Rotwild; Hochwild = Wildarten die nicht dem Niederwild zugeordnet sind zum Beispiel Schwarz- und Rotwild einschließlich Auerhahn

Ursprung: Niederwild(jagd) einst für das einfache Volk und das Hochwild war dem Adel vorenthalten (= Hohe Jagd)

Vorstehhunde:

Vorstehhunde können in zwei Gruppen, in Vorstehhunde und in Vollgebrauchs-Vorstehhunde, unterteilt werden. Die Verwendung der Vorstehhunde besteht überwiegend in der Arbeit auf Niederwild, außer Schalenwild. Ihre Aufgabe besteht darin durch selbständiges Suchen das Wild auszuspüren und durch festes Vorstehen anzuzeigen. Die Vollgebrauchshunde unter ihnen eignen sich ebenfalls für die Arbeit nach dem Schuss insbesondere auch auf Schalenwild.

  • Vorstehhund

Vorstehhunde, wurden in ihrem Ursprungsland fast ausschließlich für die Arbeit vor dem Schuss eingesetzt. Dennoch eignen sie sich auch für die Arbeit nach dem Schuss. Einige Rassen unter diesen, wie zum Beispiel der Irisch Red Setter und der Gordon Setter werden auch hierzulande gerne als Vollgebrauchshunde geführt. Weitere sind zum Beispiel Pointer und Epagneul Francais.

  • Vollgebrauchs-Vorstehhund
    Deutsch Drahthaar

    Jagdhund: Deutsch Drahthaar

Die Vollgebrauchs-Vorstehhunde werden, wie der Name schon sagt, als Allrounder für Arbeiten vor und nach dem Schuss eingesetzt. Sie eignen sich in der Regel auch für Stöber- und Schweißarbeiten. Die bekanntesten Vollgebrauchshunde sind zum Beispiel Deutsch Drahthaar, Deutsch Stichelhaar, Korthals-Griffon,  Kleiner Münsterländer auch bekannt unter Heidewachtel, Bretonischer Vorstehhund (Epagneul Bretone), Braque Francais, Epagneul Picard und Magyar Vizslar.

Apportierhunde:

Apportierhunde lassen sich in zwei Arten unterteilen. Einmal in die klassischen Retriever und in die Wasserhunde.

  • Retriever

Golden Retriever Bjarki

Golden Retriever Bjarki

Die klassische Aufgabe der Apportierhunde ist Arbeit nach dem Schuss auf Federwild, Hase, Kaninchen, Fuchs und so weiter. Die bekanntesten Retriever sind Golden Retriever, Flat-Coated Retriever, Labrador Retriever, Curly-Coated Retriever, Chesapeake-Bay Retriever, Nova Scotia Duck Tolling Retriever

  • Wasserhund

Wasserhunde sind vorrangig spezialisiert auf den Apport aus dem Wasser und wurden überwiegend zur Wasserwild- und Vogeljagd verwendet. Einige Vertreter unter ihnen finden auch Verwendung als “Fischerhund”. Heute sind sie unter anderem als Rettungshunde im Einsatz. Wasserhunde gehören eigentlich nicht in diese Gliederung hinein. Ich empfinde es aber als richtig, dass diese Apportierhunde hier ihren, meines Erachtens, berechtigten Platz erhalten. Die bekanntesten Wasserhunde sind Barbet, Irish und American Water Spaniel, Spanischer Wasserhund (Perro de Agua Español), Lagotto Romagnolo, Portugiesischer Wasserhund (Cão de agua Português), Friesischer Wasserhund (Wetterhoun)

Stöberhunde:

Söberhunde sind selbstjagende Hunde für die Arbeit vor dem Schuss. Von ihrer Statur eher klein bis mittelgroß liegt ihre ursprüngliche Verwendung im Aufstöbern von Kleinwild (Haar-und Federwild) aus deckungsreichem Bewuchs. Die durch Spur- und Fährtenlaut jagenden Hunde finden heute auch Verwendung auf Schalenwild, insbesondere dem Schwarzwild, einschließlich der Schweißarbeit. Die bekanntesten Stöberhunde sind English und American Cocker Spaniel, Deutscher Wachtelhund, Kooikerhondje, Clumber-,  Field-,  Sussex-, English- und Welsh Spaniel

Laufhunde oder auch jagende Hunde und Bracken:

Bei dieser Rubrik habe ich lange überlegt wie und ob ich sie unterteilen soll. Auf der einen Seite soll es richtig, auf der anderen Seite auch teils widersprüchliche Informationen geordnet wiedergeben.

Luzerner Laufhund

Luzerner Laufhund

  • Laufhund

Laufhunde sind auch als Meutehunde für die hohe Jagd bekannt. Die bekannteste Meutejagd ist die Parforcejagd, welche hierzulande nur aus Tradition, jedoch in Hinblick auf den Tierschutz nur „symbolisch“ durchgeführt wird. Laufhunde wurden überwiegend auf Hochwild verwendet. Rassen unter anderem: Bloodhound oder St. Hubertushund, Jura Laufhund, Luzerner Laufhund, Grand bleu de Gascogne, Petit bleu de Gascogne, Grand Basset Griffon Vendéen

  • Bracke

Bracken, welche eigentlich auch zu den Laufhunden gezählt werden können, fanden ihre Anwendung überwiegend auf Niederwild. Hier gilt es von den Vorstehhunden des Typs Braque zu unterscheiden. Die bekannteste Jagdform, das Brackieren (laute Jagd) auf Hase oder Fuchs, leitet sich von der Jagd mit Bracken ab. Heute werden Bracken auch für die Schalenwildbejagung insbesondere dem Schwarzwild eingesetzt, sowie für die Schweißarbeit. Bracken Rassebeispiele: Deutsche oder Olper Bracke, Westfälische Dachsbracke, Tiroler Bracke, Kopov oder Schwarzwildbracke, Dunkerbracke

    • Schweißhund
      Bayrischer Gebirgsschweisshund Fatima von Faddl

      Bayrischer Gebirgsschweißhund, Foto Hundund-Userin "Faddl"

Die von den Bracken abgeleiteten Schweißhunde sind Spezialisten für die wichtige Arbeit nach dem Schuss. Auch unter besonders schwierigen Umständen sind diese Hunde in der Lage, verwundetes und krankes Wild zu finden und zu stellen.

Die Arbeit mit dem Schweißhund ist sehr anspruchsvoll, sowohl für Hund, als auch für den Hundeführer und gehört ausschließlich in Händen von Hundeführern, die diesen besonderen Rassen wirklich gerecht werden können.

Insgesamt gibt es nur drei anerkannte Schweißhunde Rassen: Hannoversche Schweißhund, Bayrischer Gebirgsschweißhund und Alpenländische Dachsbracke, die auch unter den Namen Alpenländisch- Erzgebirgische Dachsbracke bekannt ist.

Erdhunde oder Bauhunde:

Diese Hunde werden für die Baujagd auf Fuchs und Dachs verwendet. Der Kaninchen- Dachshund (Dackel) ist obendrein so beschaffen, dass er auch in Kaninchenbaue passt. Obwohl man diese Hunde als Erd- oder Bauhunde bezeichnet, werden sie auch auf Schweiß geführt, sowie als Stöberhunde zum Beispiel auf Drückjagden eingesetzt, wie zum Beispiel der Deutsche Jagdterrier. Der Dackel oder Teckel ist vermutlich der mit beliebteste Jagdhund. Er ist klein, passt in jeden Rucksack, arbeitet hervorragend auf der Schweißfährte und verfügt über angemessene Wildschärfe, so dass er ein idealer Begleiter vieler Jäger geworden ist. Zu den Erdhunden zählen weiter auch der Foxterrier und Parson Jack Russel Terrier.

Rauhaardackel

Rauhaardackel

Bildquellen: Hundund-Userin “Useless” – Golden Retriever; Hundund.de Fotogalerie- Luzerner Laufhund, Rauhaardackel; Wikipedia,

Quellen und weiterführende Informationen zum Thema Jagdhunde:
Bruce Fogle Enzyklopädie der Hunde ISBN-10: 3405157803
Royal Canin Enzyklopädie der Hunde Band 1-4; nicht neu zu kaufen aber bei Amazon gebraucht erhältlich
Blase ISBN-10: 3494014736
Krebs ISBN-10: 3835406051

Chronik des VDH http://www.vdh.de/tl_files/media/pdf/vdh_chronik.pdf
hundund.de, fci.be, vdh.de, jghv.de, oekv.at, oejgv.at, dtk1888.de, pudelpointer.de, jagd-online.de/jagdpraxis/jagdhunde/?meta_id=341&modul_id=2611

Autor: Andreas

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