Hund ängstlich zu Silvester: Was tun?

Silvester Hund

Hund und Silvester, Foto: Conni, Bearbeitung: Geli

Für viele Hundehalter ist der Jahreswechsel ein heikles Thema. Nicht jeder Hund steckt die Knallerei ohne weiteres weg. Viele Hundehalter machen sich jetzt schon Gedanken, wie man am besten durch diesen Tag, eigentlich sind es sogar Tage, da vor und nach Silvester auch schon die Böller zu hören sind, mit seinem Hund kommt.

Viele Hunde sind zu Silvester ein reines Nervenbündel. Jeder Spaziergang wird zum Spießrutenlauf. Manch ein Hund verweigert diesen komplett. Der Jahreswechsel wird zum absoluten Stress für Hund und Halter.

Es gibt viele Mittelchen im Fachhandel, doch so wirklich blickt man da nicht durch. Auch hilft nicht jedes Mittel bei jedem Hund und so ist man jedes Jahr aufs Neue auf der Suche nach DEM Mittel.

Geräusche-CD

Solche CDs sind zum Training und zur Desensibilisierung gedacht. Diese gibt es mit verschiedenen Themen (zum Beispiel Silvester, Gewitter etc.). Meist kann man sie direkt im Internet herunterladen (kostenpflichtig). Ein Training mit solchen CDs sollte schon Wochen, vor dem eigentlichen Ereignis beginnen.

Bachblüten

Benannt wurden sie nach ihrem Entdecker Dr. Edward Bach. Für Silvester gibt es verschiedene Essenszenen, die am besten von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker zusammengemischt werden. Diese sollte man schon zwei bis drei Wochen vor Silvester anfangen zu geben.

Des Weiteren gibt es diverse Globuli (homöopathische Kügelchen), die auch von einem Spezialisten, genau auf den eigenen Hund abgestimmt werden sollten.

D.A.P.® (Dog Appeasing Pheromon)

D.A.P. ist ein synthetischer Nachbau des Beruhigungspheromons der Hündin. Beruhigungspheromone sind Geruchsbotenstoffe die von der Hündin 3-5 Tage nach Geburt ihrer Welpen am Gesäuge gebildet werden. D.A.P.® gibt es als Zerstäuber für die Steckdose, als Halsband oder als Spray. Die genaue Verwendung sollte auf dem jeweiligen Produkt nachgelesen werden.

TTouch und TTEAM® (Tellington Touch Every Animal Method)

Bei dieser Methode (begründet von Linda Tellington-Jones)  arbeitet man mit speziellen achtsamen Berührungen mit den Händen (sogenannte Tellington-Touches) am gesamten Körper des Tieres, um so Spannungen zu Lösen, die Selbstheilungskräfte anzuregen und so eine vertrauensvolle Bindung zum Tier herzustellen. Des Weiteren werden beim Tier Körperbandagen zur besseren Körperwahrnehmung eingesetzt, um so ein Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Balance zu vermitteln. TTEAM® beinhaltet auch eine spezielle Bodenarbeit. Um dies zu erlernen, sollte man sich an ausgewiesene Zentren oder Trainer wenden.

Sedierung/Ruhigstellung

Es gibt diverse Medikamente, die den Hund völlig Ausnocken. Wenn überhaupt, sollte dies unbedingt mit einem Tierarzt vorher genau abgeklärt werden, da viele Medikamente die Geräuschempfindlichkeit noch erhöhen. Vor allen Dingen machen einige Medikamente den Hund einfach nur Bewegungsunfähig und er bekommt die Knallerei in vollem Umfang mit, kann sich aber nicht rühren, was letztendlich die Angst vor Silvester nur noch verstärken würde und man nachher einen absolut panischen Hund hat.

Silvester

Silvester, Foto: Diego

 

Tipps: Hund zu Silvester

Egal, welches Mittel man einsetzt. Grundsätzlich sollte man folgendes mit einem ängstlichen Hund an Silvester beachten:

  • Den Hund an diesen Tagen auf keinen Fall ableinen. Zu groß ist die Gefahr, dass er wegen einem Knaller weglaufen könnte und nicht mehr nach Hause findet. Schlimmstenfalls könnte er über eine Straße laufen und überfahren werden.
  • Geht zu Zeiten, wo nicht so viel Geknallt wird. Irgendwann hat man ein Gefühl entwickelt, wann gerade draußen viel los ist, oder wann eine etwas ruhigere Zeit ist. Versucht solche „Pausen“ abzupassen, damit der Hund so wenig wie möglich Stress hat.
  • In der Silvesternacht die Fenster abdunkeln, damit der Hund die Lichtblitze nicht sieht. Dies kann schon ein wenig die Angst verringern. Um die Geräusche ein wenig zu übertönen, kann man auch in der Zeit den Fernseher laufen lassen. Aber bitte nicht so laut einstellen, dass es einen die Ohren weghaut. Und auch auf den Sender achten. Viele zeigen um Mitternacht das Feuerwerk, was für den Hund dann Kontraproduktiv wäre.
  • Für manchen Hund, der noch nicht zu sehr im Stress steht, oder Angst hat, hilft es auch, am Zeitpunkt der Knallerei ganz besondere Leckerlies zu bekommen. So kann man Silvester auch „schön Füttern“. Das funktioniert aber wirklich nur, wenn der Hund überhaupt noch fähig ist, etwas zu Fressen und die Leckerei etwas ganz besonderes für ihn ist.
  • Manchen Hunden hilft es auch, wenn man sie in eine Decke einwickelt und einfach bei ihnen sitzt. Aber Vorsicht: Zu viel Bemitleiden, am besten noch mit einer jämmerlichen Stimme, können den Hund in seiner Angst noch bestärken!
  • Hilfreich kann auch eine abgedunkelte Box, oder eine andere Rückzugsmöglichkeit sein. Oft reicht es auch aus, wenn der Hund mit auf das Sofa und ins Bett darf, um nah bei seinem Menschen  zu sein.

Ihr müsst einfach ausprobieren, was genau bei eurem Hund hilft und was vielleicht sogar seine Angst verstärkt.

Sinnvoll ist es auf jeden Fall, wenn man schon lange vor Silvester mit einem Training unter kompetenter Leitung anfängt, damit man den Jahreswechsel, so entspannt wie möglich, gemeinsam mit dem Hund erleben kann. Wer gezielt mit Krachern und Böllern (es empfiehlt sich mit Knallerbsen anzufangen) arbeiten möchte, sollte sich diese zu Silvester zulegen, da diese nur zu dieser Jahreszeit erhältlich sind. Allerdings sollte dieses Training wirklich unter fachlicher Leitung erfolgen, da man bei der Desensibilisierung viel falsch machen kann.

Wer noch Tipps und/oder Erfahrungen hat, kann diese mit der Kommentarfunktion mitteilen.

Autorin: Melanie

3 Gedanken zu “Hund ängstlich zu Silvester: Was tun?

  1. Durch einen Beitrag auf Facebook ist mir noch etwas zu dem Thema eingefallen.

    Es gibt leider Hunde, die trotz Training und Ausprobieren diverser Mittelchen, nie ihre Silvesterangst verlieren. Manch ein Hund ist auch so panisch, dass Silvester nicht nur Stress, sondern die pure Hölle ist.

    Im Internet bin ich auf Hütten/Häuser gestoßen, die extra für Hundemenschen angeboten werden, wo gar nicht, oder nur wenig von der Knallerei zu hören ist. Wer sich so einen Urlaub leisten kann, sollte dies als Möglichkeit in Betracht ziehen, um ein entspanntes Silvester mit dem Hund zu verbringen.

    Viele Grüße, Melanie

  2. Hallo!

    Ein gutes Mittel, zu beziehen beim Tierarzt, ist auch “Zylkene”. es handelt sich um ein Nahrungsergänzungmittel, welches (einige) Hunde beruhigt ohne auszuknocken. Ich habe es bei meiner Hündin letztes Jahr Sylvester erfolgreich angewandt, sie hatte zwar immer noch Angst vor der Knallerei, aber keine Panik mehr und konnte ihre Angst ausleben – sich verstecken, ist aber in keine Panik verfallen und war die ganze Zeit über ansprechbar und hatte ihren Körper unter Kontrolle. Auch dieses Jahr werde ich wieder Zylkene zu füttern.
    Ich hab es nun auch bei anderen stressigen Situationen angewandt und nur gute Erfahrungen bei meinen Hunden damit gemacht.

  3. Ein altbewährter Tipp, den ich von diversen Hundehalter immer wieder bekommen habe und schliesslich, nach vielen erfolglosen Versuchen mit anderen Mitteln, nun auch anwende, ist Alkohol (Eierlikör, Baileys oder etwas anderes cremig-süsses).
    Bekanntlich führt eine geringe Menge Alkohol zu einer lockeren, gehobenen Stimmung, in der Hemmschwellen und Ängste abgebaut werden. Dieser Effekt hilft auch vielen Hunden, die Knallerei besser zu vertragen und nicht mehr soviel Angst zu haben. Natürlich soll der Hund nicht abgefüllt werden, er soll nur leicht “angeheitert” sein. Meine 28kg Hündin erhält über den Abend verteilt 3-4 Esslöffel Baileys, welchen sie auch trotz Angst sehr gerne schlabbert.
    Vorteil ist, dass es schnell wirkt und bei Bedarf problemlos nachdosiert werden kann. Leider hilft auch das nicht bei allen Hunden, in meinem Fall ist es jedoch das bisher erfolgreichste.

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