Vor einiger Zeit veröffentlichten wir im Magazin ein Interview mit Peggy. Sie ist blind und hat einen Blindenführhund namens Cash. Nach der Veröffentlichung haben wir bemerkt, dass wir bei einigen Fragen noch genauer in das Detail gehen möchten. Deswegen führten wir mit Peggy ein weiteres Gespräch.
Wir möchten gerne an das vorherige Interview mit dir anknüpfen, da uns doch noch einige Fragen beschäftigen.
Du hast gesagt, dass Cash schon vor der Ausbildung zum Blindenführhund bei dir war. Musste er während der Zeit der Ausbildung weg, oder durfte er weiter in deinem Haushalt leben?
Nein mußte er nicht, ich wurde in die Ausbildung mit eingebunden. Sachen die ich mitmachen konnte, habe ich mit Cash gelernt. Dinge, die ich aufgrund meines Handicaps nicht konnte, hat die Trainerin mit Cash alleine gemacht. Wichtig, bei so einer Ausbildung, ist das Vertrauen zwischen Führer und Hund, die war bei uns ja schon da.
Wurdest du bei der Ausbildung mit einbezogen, oder wurde diese allein nur durch den Ausbilder gemacht?
Ja, als vollwertige Person.
Darf man mit einem Blindenführhund in jedes Geschäft hinein?
Ja, der Blindenführhund gilt weltweit als Hilfsmittel, wie ein Rollstuhl, Gehhilfe oder, wie in meinen Fall, als Brille.
Gab es diesbezüglich schon einmal Probleme, so dass du nicht mit deinem Hund ein Geschäft betreten durftest?

Ja sehr, sehr oft. Komisch ist nur, dass gerade Angestellte in großen Einkaufsmärkten wie Famila, REWE etc., nichts von diesen Gesetz wissen.
Nun ist es ja immer so: Obwohl wir das Gesetz seit 1998 auf unserer Seite haben, muß der Ladenbesitzer uns NICHT bedienen. Er hat nämlich ein sogenanntes Hausrecht. Er kann also ein Ladenverbot aussprechen, dieses muß er aber begründen. Das tut manchmal echt weh, wenn ich nicht einkaufen kann, weil ich meine “Brille” nicht mit rein nehmen darf.
Mein Mann hat deswegen auch mal die Polizei geholt – mit einem dickem Entschuldigungsschreiben und einem Einkaufsgutschein darf ich jetzt dort einkaufen. Es ist aber schon sehr erniedrigend für mich und auch peinlich.
Wie sieht es aus, wenn du einen Arzttermin hast. Darf Cash auch dort mit rein?
Ja, auch hier darf er mit rein. Ausgenommen sind Intensivstationen. Alle Räume, die auch für Menschen ohne Schutzkleidung zugänglich sind, sind auch für Cash zugänglich.
Im Flugzeug darf er sogar mit in die Kabine. Das klappt wunderbar, so dass ich jetzt überlege, ob ich nicht nur fliege. Weil die Deutsche Bahn macht ja mobil, aber leider nicht für gehandicapte Menschen.
Auf welche Probleme triffst du noch im Alltag? Gibt es Dinge, die du mit Cash nicht machen kannst, oder sehr erschwert sind?
Also hier möchte ich einmal weiter ausholen.
Im Allgemeinen glauben die Menschen wir Blinde haben Haushaltshilfen. Leider ist das nicht so (ich bin da eine kleine Ausnahme, ich habe eine Hilfe für die Fenster, aber auch nur weil wir uns das leisten können.) Dafür zahlt die Krankenkasse leider nicht. Also lernen wir das Putzen, Saugen, Kochen und alles das, was so in einem Haushalt anfällt, mit einen Mobilitätstrainer. Dieser kommt ins Haus und zeigt uns Tricks und wie wir uns, zum Beispiel Gewürze merken können und diese Dinge. Ich koche, bügle und mache meinen Haushalt mit Cash alleine. Manchmal stoßen wir an unsere Grenzen, aber dann fragen wir einfach jemanden der uns helfen kann. Das gilt für alle Dinge, auch draussen. Man lernt als allererstes, dass man die natürliche Scheu – zu fragen – und damit zuzugeben, dass man etwas nicht kann, zu überwinden. Damit macht man den Weg frei alle Dinge zu können.
Du arbeitest mit einem Spracherkennungsprogramm. Für einen Sehenden ist das erstmal schwer, sich das genau vorzustellen. Kannst du uns mal erklären, wie das genau funktioniert?

Mein Sprachprogramm heißt Cobra. Es ist für Blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt worden. Es kann die Schrift vergrößern oder Vorlesen. Wenn ich also, zum Beispiel hier im Forum auf einen Beitrag gehe, ließt die Software mir den Beitrag Zeile für Zeile vor. Dieses kann ich mit der Maus, die ebenfalls einen Ton abgibt, steuern. Ausgenommen sind alle Beiträge die mit mit einen beweglichen Banner unten bestückt sind. Normal stehende Bilder übersieht er. Das Gleiche geschieht bei Werbung, die ja sehr oft mit beweglichen Bildern bestückt ist. Hier muß meine Familie mir helfen. Aber manchmal reicht auch die Lupe, dies ist nur sehr mühevoll, weil die Bildschirme zu klein sind.
Für uns ist das Internet sehr wichtig, da wir hier sehr viel mit Menschen Kontakt aufnehmen können, wie zum Beispiel in Foren.
Wie wir mitbekommen haben, nennst du das Programm Jens. Heißt das wirklich so, oder wie bist du auf den Namen gekommen?
Das Programm Cobra hat verschiedene Sprecher auf akustischer Basis. Weibliche und männliche und alle haben einen festen Namen, zum Beispiel ist eine davon Steffi oder Gisela, meiner heißt Jens. Er spricht sehr ruhig und manchmal auch sehr flüsternd.
Nachsatz:
Ich spreche hier für ganz viele blinde oder sehbehinderte Menschen…
Wir sind keine unglücklichen Menschen, wir haben unser Handicap akzeptiert und gelernt die Welt mit den Händen, Nase und mit den Ohren zu „sehen“. Wenn wir Hilfe brauchen, dann Fragen wir einfach. Es wäre dann nett Hilfe zu bekommen und keine dummen Sprüche, diese helfen uns nämlich nicht.
Wenn ihr unsere Hunde auf Bahnhöfen oder auch in Läden seht, fasst sie nicht an und sprecht sie nicht an. Wenn Ihr Fragen habt fragt uns doch einfach. Ihr werdet sehen, es tut euch keiner etwas und wir sind alle der Sprache mächtig.
Vielen Dank.
Ich bedanke mich bei der Hucom Redaktion und ganz besonders bei Meli, dass sie dieses Inteview mit mir gemacht hat.
Auch wir möchten uns ganz herzlich bei dir für dieses weitere ausführliche und offene Interview bedanken!
Das Interview führte Melanie mit Peggy.




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